ÄGYPTEN REISE 2008

Riff-Tour (Teil 1): Lehrstunden für Tauchschüler

13 Mär 2008

Der heutige Tag verspricht ein besonders interessanter zu werden. Es wird mit einem Schiff des Blue Water Dive Resorts zu einem Tauchgang der Schüler auf ein vorgelagertes Riff gehen.

Wie vereinbart treffe ich gegen 9 Uhr bei der Tauchbasis ein, wo ich mir einen Schnorchelanzug ausleihe. Brille und Flossen habe ich selber. Von mir aus konnte es los gehen, aber die Tauchschüler, mit denen ich fahren sollte, mußten noch eine Prüfung im Schulungsraum ablegen. Somit verzögert sich die Abfahrt um etwa eine Stunde. Macht nichts - ich nutze die Gelegenheit und sehe mich auf der Tauchbasis etwas um, lese die angeschlagenen Infos und vertiefe mich in eine interessante Karte mit den Riffs, die sich hier vor Hurghada befinden.

Riff-Karte.

Foto: Riff-Karte.

Wenn man diese Unzahl von Tauchplätzen sieht, dann erkennt man auch als Nicht-Taucher, warum diese Gegend bei den Unterwasser-Fans so beliebt ist.

Ich lese still die Namen der Inseln und Riffe: Sha´ab El Erg, Abu Galaua, Abu Nugar, Umm Gamar, Sha´ab Rur Umm Gamar, Giftun Kebir, Giftun Soraya, Sha´ab Quais, Abu Ramada, Sha´ab Abu Ramada, Abu Hashish (woher der Name wohl kommt?) oder El Fanadir. Zu jeder Insel bzw. jedem Riff sind auch noch die verschiedenen Tauchplatz-Namen angegeben, die beispielsweise Zusatzbezeichnungen wie Foc, Cave, Dacht oder auch Ost und West tragen. Ost und West sind klar, Cave bedeutet Höhle, Foc liegt immer oben, Dacht unten. Aha, klares System - zumindest teilweise.

Sollten wir nach Norden fahren, dann könnte ich Hurghadas Altstadtbereich Dahar vom Meer aus sehen. Das wäre interessant, fuhr es mir durch den Kopf. Könnte ich dann auch die große Moschee mit den zwei Minaretten erspähen? Na mal sehen.

Ich trank noch einen Kaffee an der Taucher-Bar, und dann kamen auch schon die Tauchschüler. Es ging los. Wir bestiegen alle mit den Tauchausrüstungen die Ladefläche eines japanischen Kleintransporters, der uns langsam und sicher die wenigen hundert Meter bis zum Hafen bringt. Weit ist es nicht, aber besser gefahren statt schleppen.

El Basi.

Hier liegen die strahlend weissen Schiffe mit den hellblau gestrichenen Rümpfen des Blue Water Dive Resorts sicher und vor Stürmen geschützt. Wir stoppen vor der El Basi, nicht das größte der Basis-Schiffe, aber blitzeblank sauber. Der ägyptische Kapitän und seine Crew waren bereits an Board, der Motor lief. Also rasch an Board - oder sagt man hier Deck?

Foto: El Basi.

Die Tauchausrüstungen werden auf die El Basi gebracht und sobald das neue, größere Schiff des Blue Water Dive Resorts, die Masria, die Anfang 2008 zum Schiffsbestand dazu kam, uns den Weg frei machte, legten wir langsam ab.

"Masria", das neue Schiff des Blue Water Dive Resort.

Foto: Die Masria, seit Anfang 2008 Bestandteil der Blue Water Dive Resort Schiffe.

Nun wurden alle vom Tauchlehrer auf das obere Deck zur Besprechung gebeten. Es wurden die Aufgaben bei den heutigen beiden Tauchgängen besprochen, Wichtiges hervorgehoben und Details wiederholt. Es waren zwei Tauchgänge am Fanadir-Riff geplant, einer vor und einer nach dem Mittagessen.

Anschließend wurde noch ich den Tauchkursteilnehmern vorgestellt, daß ich Fotos dieses Tauchtrips zur Berichterstattung machen werde. Ich vergewisserte mich noch bei allen, daß jeder einverstanden ist, daß die Fotos veröffentlicht werden dürfen - somit war meine heutige Fototätigkeit auch rechtlich abgedeckt.

Besprechung auf dem oberen Deck.

Foto: Besprechung der anstehenden Aufgaben bei den Tauchgängen durch den Tauchlehrer.

War da bei der Besprechung das Fanadir-Riff erwähnt worden? Das hatte ich doch auf der Karte im Norden gesehen. Somit sollten wir die Altstadt Hurghadas, Dahar, passieren. Genau so hatte ich es mir im Geheimen gewünscht.

Und kaum hatten wir den Bug beim Hafen draußen, drehte der Kapitän das Steuerrad nach backboard, das Schiff in nördliche Richtung.

Info: Für weniger Versierte der nautischen Begriffe sei erwähnt, daß backboard links ist und steuerboard rechts.

Wir drehten nach backboard, also nach links, passierten rasch das Gebäude des Blue Water Dive Resorts, dann die südliche der beiden Lagunen des Arabia Azur Hotels, die inselähnliche Spitze dessen künstlichen Halbinsel, die weit herausragt, und dann noch die nördliche Lagune.

Die Marina-Beach mit dem Restaurant auf der künstlichen Halbinsel des Arabia Azur Hotels.

Foto: Die Marina-Beach mit dem Restaurant auf der künstlichen Halbinsel des Arabia Azur Hotels.

Erst jetzt fiel mir so richtig auf, daß uns ein ziemlich starker Nordwind entgegen blies und die See unruhig machte.

Vereinzelt zeigten sich sogar kleine Schaumkronen auf den Wellenrücken. Nichts besonderes für den Kapitän, wie es schien. Er steuerte sein Schiff mit einem Lächeln auf den Lippen weiter nach Norden.

Wie schnell oder ab welchem Seegang wird man eigentlich seekrank? Ein kurzer Gedanke, den ich gleich wieder strich. Die Auf- und Abbewegungen des Schiffskörpers erinnerten mich ein wenig ans Reiten. Wie die Bewegungen im Sattel, aber langsamer - in Zeitlupe. Ich mußte lachen.

Während nun die meisten nach unten gingen, blieb ich oben, genoß die Fahrt und machte Fotos von den Hotelanlagen am Ufer, das sich langsam aber stetig entfernte.

Tauchvorbereitung.

Unten begann sich emsiges Treiben breit zu machen. Jeder überprüfte sorgsam seine Tauchausrüstung - Flaschen wurden auf Druck gecheckt und alle anderen Tauchutensilien ordentlich und systematisch zusammengestellt. Sicherheit ist das oberste Gebot bei diesem Sport!

Werner, der diesen Tauchtag leitete, und seine Kolleginnen behielten die Schüler beim Ausrüstungscheck genau im Auge und griffen bei Bedarf hilfreich ein. Alles muß seine Ordnung haben - ohne Ausnahme!

Interessant für mich als Nichttaucher, wie umfangreich die Tauchausrüstung in der heutigen Zeit ist - und wie unterschiedlich sie sein kann. Die Anzüge sind verschieden, nicht nur wegen der Marken, sondern auch wie sie gearbeitet sind. Klassische Gewichtsgürtel sind einfach, aber haben ihre Nachteile. Manche tragen ihre Gewichte in fix positionierten Taschen, besser plaziert und können nicht verrutschen und somit das optimale Gleichgewicht nicht verändern. Zu Thema Qualität der Ausrüstung gäbe es viel zu schreiben, aber dazu ist hier nicht der richtige Platz.

Nun waren wir am Riff angelangt. Wie ich erfuhr, hatten wir die Position Dacht des Fanadir-Riffs angesteuert - also den südlichen Tauchbereich des Riffs. Gekonnt und mit viel Übersicht manövrierte der Kapitän das Schiff an die gewünschte Stelle, an der es an bereits fixmontierten Ankern, die fest im Riff befestigt sind, festgemacht wurde. Vormontierte Anker haben durchaus Sinn. Nicht weil es bequemer ist, sondern weil beim Auswerfen eines Ankers das Riff beschädigt werden könnte. Viele Tauchfahrten würden so viele, wenn auch kleine, Narben am Riff hinterlassen und die schöne Unterwasserwelt langsam zerstören.

Zeit für mich einen Blick über das Riff zu werfen.
Wir waren nicht das einzige Tauchboot hier. Eines ankerte nicht weit von uns außerhalb des Riffs, zwei andere weiter weg im nördlichen Riff-Bereich.

Fischer auf dem Fanadir-Riff.

Doch was mein Auge anzog, war ein kleines Fischerboot mitten über dem Riff. Das richtige Motiv für Fotografen. Klick.

Foto: Fischer auf dem Fanadir-Riff.

Bevor ich wieder zurück ging, machte ich noch Aufnahmen von der entfernten, im dunstigen, trüben Licht liegenden Altstadt Hurghadas. Und da war sie. Die Mosche, die ich gesucht hatte - klar an den beiden Minaretten zu erkennen. Dieser werde ich in den nächsten Tag noch einen Besuch abstatten. Versprochen!

Bei den Tauchschülern war nun etwas Nervosität zu verspüren. Der erste Tauchgang des Tages kam immer näher. Es war an der Zeit die Ausrüstung anzulegen.

Anzüge an, Westen, Gewichte und Flaschen an den Körper, Verschlüsse und Funktionalität der Druckluft-Systeme doppelt gecheckt. Jeder hilft einem anderen.

Letzter Check vor dem Tauchgang.

Foto: Werner, der Tauchlehrer, beim letzten Check mit einer Tauchschülerin vor dem Tauchgang.

Nach und nach greifen sich alle noch Brille, Schnorchel und Flossen. Und mit einem großen Schritt geht es ab ins Wasser, wo alle zuerst an einer Sicherungsleine zusammen warten.

Wieder Instruktionen und Hinweise für die Tauchschüler. Dann das Kommando zum Abtauchen. Langsam sinken einer nach dem anderen, in Gruppen aufgegliedert, unter die Meeresoberfläche. Der Tauchgang hatte begonnen.

Im türkisblauen Wasser.

Foto: Im türkisblauen Wasser.

Ich verfolgte die Taucher noch einige Sekunden im seichten Wasser bis sie an der Riffkante tiefer abtauchen. Dann bereitete ich mich auf mein Vergnügen vor. Schnorchelanzug an, Brille mit Schnorchel und Flossen geschnappt und ab zum Schnorcheln auf dem Fanadir-Riff.

Mit einem Sprung tauche auch ich in die herrliche Unterwasserwelt ein.













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