MALAYSIEN REISE 2007

Ankunft

04 Nov 2007

Nun mussten wir nochmals zur Immigration. Hm, warum eigentlich? Wir waren doch schon in Kuala Lumpur bei "denen" gewesen. Da erfuhren wir, dass es für die Immigration-Behörde einen Unterschied zw. Malaysia-West, dem Festland, und Malaysia-Ost auf Borneo gibt. Naja, wenn es so sein soll, dann wird eben das gleiche Formular nochmals ausgefüllt.

Anschließend warfen wir noch einen Blick in einen Shop, wo wir unseren Lieblingsmitnahmeartikel ("J.D.") in verschiedensten Varianten entdeckten. Die anderen Fluggäste waren schnurstracks zum Luggage Claim gegangen – also auch Zeit für uns endlich unsere beiden Koffer abzuholen.

Melanie spaßte noch über die Möglichkeit, dass Koffer verloren gehen. Kaum am Fließband angekommen, war meiner auch schon da. Der giftig-lindgrüne Melanies aber kam nicht. Warten. Nein, er kam einfach nicht. Er war nicht angekommen. Aus Spaß wurde Sorge, weil darin auch einige wichtige Medikamente waren.

Wo steckt er nun – in Doha oder Kuala Lumpur?

Na gut, auf zum Luggage Service. Dort legten wir den "Koffer-Beleg" vor und füllten ein Verlust- bzw. Vermisst-Formular aus. Nach kurzer Besprechung mit dem Vorgesetzten der Serviceabteilung (die Mitarbeiterin, mit der wir davor gesprochen hatten, erschien mir weder kompetent noch gewillt) versicherte dieser, dass sofort eine Suchmeldung per Telegramm hinausgehen wird. Telegramm? Na Prost, in diesem Zeitalter wird hier noch mit Telegrammen gearbeitet? Ob das gut geht?

Weiters versprach er, dass der Koffer sofort nach Eintreffen in unser Stadthotel Holiday Inn Kuching nachgebracht werden würde – egal zu welcher Uhrzeit. Mehr konnte in diesem Moment nicht getan werden.

Wir verließen mit etwa 30 Minuten Verspätung das Flughafengebäude, vor dem wir zum Transfer zum Hotel abgeholt werden sollten. Wir wussten nicht genau, wer auf uns warten würde, aber normalerweise ist dies recht gut organisiert.

Und so war es auch. Andy, ein Einheimischer und unser Führer für die nächsten Tage, wartete ungeduldig mit dem Kleinbus vor dem Terminal. Genauer gesagt, er und sein Fahrer samt Kleinbus waren dort.

Los ging es durch den Regen zum Holiday Inn Hotel im Stadtzentrum von Kuching. Wir erzählten Andy und den Hotelmitarbeitern an der Rezeption vom verlorenen Koffer. Erstens "mussten" wir ein wenig Dampf ablassen, die Sache war einfach zu ärgerlich – und zweitens sollte man im Hotel Bescheid wissen, wenn und falls eine Nachricht über den Koffer eintreffen sollte.

Andy gab uns noch vor dem Hotel die ersten Tipps:

Geldwechseln empfiehlt er uns in einem kleinen Store gleich links neben dem Hotel (kurz vor dem KFC – Kentucky Fried Chicken - eh klar) im Untergeschoß einer Einkaufsanlage. Naja, Einkaufszentrum wäre zuviel gesagt, eher eine Ansammlung mehrerer Geschäfte auf ein paar Ebenen. Zumindest sei der Kurs dort erfahrungsgemäß sehr günstig.

Und als Essenstipp nannte er uns den "Top Spot Sea Food Court" schräg gegenüber dem Hotel, der im 6. Stock im Dachterrassen-Bereich einer Großgarage liegt. Dort soll es sehr gut und günstig sein, wie er meinte. Ein Tipp, der uns besonders interessierte, aber im Moment galt es mal im Hotel einzuchecken. Kein Problem. Wir erhielten ein Zimmer im 9. Stock des zehnstöckigen Gebäudes mit Blick auf den Fluß Sarawak, der sich durch Kuching schlängelt. Super! Hier lief die Klimaanlage auf vollen Touren. Melanie wollte sich sogar einen Pullover anziehen, obwohl es draußen an die 30 Grad C hatte. Klar, dass wir gleich mal die A/C runterdrehten. Wir sind das nun mal nicht gewöhnt. Und außerdem soll es in zwei Tagen in den Dschungel gehen, dort wird es auch keine geben.

Das Zimmer kam mir standardmäßig, durchschnittlich und nicht besonders ausgestattet vor, aber dafür sauber, was uns am Wichtigsten ist.

Nachdem wir nicht wussten, ob und wann Melanies Koffer auftauchen würde, beschlossen wir gleich das für sie Notwendigste shoppen zu gehen. Auf dem Weg zum Hotelausgang genehmigten wir uns noch schnell einen Drink an der Hotelbar – man ist schließlich im Urlaub und lässt sich nicht unterkriegen.

So, nun ab in die malayische Shopping-Welt. Raus aus dem Hotel und links, ca. 40 Meter, die Stufen runter und neben einem CD-Store fanden wir den kleinen Money Exchange Store, in dem es auch Bücher, Zeitschriften udgl. gibt. Bald darauf hatten wir unsere ersten malayischen Geldscheine, sogenannte RINGITTS, in Händen. Wir erinnerten uns an den Tipp, dass zwar die Kriminalität in Malaysia sehr niedrig ist, aber man sich vor Taschendieben in acht nehmen sollte. Also Geld raus aus den hinteren Jeanstaschen und nicht allzu sorglos sein.

In dem Gebäude gibt es auf mehreren Etagen verschiedenste Geschäfte, von kleinen Boutiquen bis hin zu größeren Shops und Lebensmittelläden, in denen wir schnell fündig wurden.

Kaum wieder im Untergeschoß angekommen, musste Melanie für "kleine Mädels" (du weißt schon). Meine Idee, das WC im KFC aufzusuchen, war recht gut, aber nicht durchführbar. Es gab dort keines, sondern nur ein Groß-WC pro Etage. Also steuerte sie dort hinein " ohne zu wissen, dass dies ihre erste Erfahrung in Sachen Hygiene in diesem Land sein würde, die sie nicht unbedingt buchen wollte. Ok, sie hatte nicht extra dafür bezahlt – bekam es sozusagen als kostenlose Draufgabe!

Melanie kam kreidebleich wieder heraus. Die Toilette ist saudreckig gewesen und stinkendes Wasser war knöchelhoch gestanden. Sie hatte jetzt nur einen Wunsch. Schnell weg hier! Die Desinfektionstücher werden aus den Hosentaschen hervorgeholt und ausgiebig ihrer Verwendung zugeführt. Eigentlich wäre jetzt Abendessen angesagt gewesen, oder sollten wir das, nach diesem Erlebnis, ausfallen lassen? Nein!

Wir überqueren die Straße, halten kurz an der überdimensionalen Katzenstatuengruppe auf der Verkehrsinsel, und weiter ein paar Meter eien Straße hinauf. Hm, ist das das richtige Gebäude? Es ist eine Großgarage. Wir erklimmen die ersten Stufen, dann eine Etage nach der anderen und siehe da. Wir erreichen einen Food Court mit über einem Dutzend Seafood-Restaurants, aufgereiht in Reih und Glied, mit unzähligen runden Tischen samt Plastiksesseln davor.

Quahl der Wahl. Welches sollen wir nehmen? Egal, wir kennen ja keines. Während unsere Augen eine Restaurant-Front nach der anderen aus sicherer Entfernung abzuschätzen versuchen, werden wir von einem jungen Asiaten angesprochen. Er teilt uns einfach einen der wenigen freien Tisch zu. Warum nicht.

Wie wir uns da fühlten? Wie 2 Europäer unter hunderten, heißhungrig schlingenden Asiaten. Also ganz normal, oder?

Wir bestellten unsere Colas (normalerweise Cola Light bzw. Diet Coke, aber die bekam man hier nicht überall), und dann ging es gleich an die Order-Front. D. h. ich schaute mir dutzende verschiedene frische Fische, Garnelen, Krabben usw an, die sich teilweise noch bewegten. Frischer geht es wohl kaum! Meine Auswahl fiel auf große und mittlere Garnelen in Knoblauchsauce mit gemischtem Gemüse und Reis. Gespannt warteten wir auf unsere ersten frisch zubereiteten Speisen in Borneo.

Es dauerte nicht lange und eine Platte nach der anderen "rollten" an. Noch schnell nach Stäbchen gefragt (anstatt den Alu-Gabeln und -Löffeln) und los ging es mit der Völlerei! Herrlich! Es war hervorragend zubereitet, perfekt abgeschmeckt und das Gemüse noch leicht bissfest.

Mit vollen Bäuchen ging es wieder ins Hotel. An der Rezeption konnte uns glücklicherweise mitgeteilt werden, dass der fehlende Koffer in Kuala Lumpur lokalisiert wurde und mit dem letzten Flug des heutigen Tages nach Kuching gebracht wird. Im Hotel sollte er kurz nach Mitternacht eintreffen. Super, nun wird auch das gut gehen!

In unserem Zimmer genossen wir zum doch-noch-guten Tagesabschluss ein fein gemischtes Jacky-Cola, dann fielen wir ins Bett!

Am Morgen erwartete uns folgender Ausblick vom Fenster unseres Zimmers im Holiday Inn Kuching.

Ausblick von unserem Zimmer im Holiday Inn Kuching

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