MALAYSIEN REISE 2007

Orang-Utans im Semenggoh Wildlife Centre

05 Nov 2007, Seite 2

Semenggoh Wildlife Centre

Das südwestlich von Kuching liegende Auswilderungscamp dieser Menschenaffen sollte für uns das erste Highlight unserer Borneo-Reise sein. Tiere sind für Melanie nicht nur etwas Besonderes, sondern ein Teil ihres Lebens. Und für mich ist Natur an sich, und sind damit natürlich auch die Tiere darin, etwas Faszinierendes. Klar hat man viele (für uns) exotische Tiere schon in verschiedenen Zoos bestaunt, aber diese Geschöpfe in ihrem Lebensraum zu erleben ist unvergleichlich aufregender! Wir sollten Borneo Orang-Utans bei ihrer Fütterung beobachten können.

Im Zentrum angekommen bittet uns Andy um etwas Geduld. Er hat erfahren, dass noch keine Affen gesehen worden waren. Ein Mitarbeiter des Wildlife Centres wird sie auf einem speziellen Hochstand mit Futter und Schreien anlocken. Na gut, dann erkunden wir noch die nähere Umgebung.

Nepenthes

Hier sehen wir sehr schöne Exemplare der Nepenthes, eine dieser bekannten fleischfressenden Pflanzen. Trichterförmig nach oben offen, mit einem Deckel, verdauen diese Insekten und gehören zur Familie der Kannenpflanzengewächse (Nepenthacea).

Und dann war es auch schon Zeit für eine kurze Wanderung in den Dschungel. Einem Pfad folgend gelangten wir - mit etwa 100 anderen Besuchern - nach knapp 500 m zu einer aus Holz erbauten terrassenförmigen Aussichtsplattform inmitten riesiger Bäume. Nicht mal 30 m entfernt sahen wir eine Art Hochstand aus Holz, auf dem ein malayischer Mitarbeiter des Wildlife Centres mit einigen großen Kübeln Obst stand. Seine Blicke suchten den Dschungel nach Orang-Utans ab. Nichts. Er lockte sie immer wieder mit lauten, gellenden Schreien, wartete kurz und erhob dann wieder seine Stimme.

Und dann ging ein Raunen durch die Besucher. In einiger Entfernung konnte man Bewegung in den Baumkronen erkennen. Staunend und suchend folgten unsere Augen den sich bewegenden Ästen, bis wir dann doch einen Orang-Utan ausmachen konnten. Langsam hantelte er sich von Baum zu Baum. Äste und Lianen nutzend kam er näher.

unser erster Orang-Utan

Unser erster Orang-Utan in freier Natur. Ein tolles Gefühl!

Der durchaus stattliche Menschenaffe näherte sich langsam der Plattform. Er wusste, dass ihn dort leckeres Obst und Eier erwarten würden. Zögernd, fast teilnahmslos ergriff er die ersten Bananen, die ihm der Wärter hin hält, und verschlingt sie gierig. Dieses Spiel wiederholte sich ein paar Mal - nur unterbrochen von den Rufen des Centre-Mitarbeiters nach weiteren Orang-Utans. Und es kamen noch zwei. Einfach toll!
Alle stillten ihren Hunger nach süßem Obst und entfernten sich wieder langsam, spielerisch wirkend, von der Futterstelle.

Wow, welch aufregendes Erlebnis! Unsere Kameras glühten förmlich und unsere Augen strahlten. Auch wir machten uns nun langsam auf den Rückweg - wie fast alle anderen.

Semenggoh Wildlife Centre

Kaum waren wir 30 m dem Pfad gefolgt, stoppte uns Andy. Wir sollten nochmals umkehren und leise sein. Es würden noch mehr kommen. Also wieder zurück zu unserem nun fast leeren Aussichtspunkt. Zwei, drei Minuten später hörten wir Knistern im Geäst hoch über uns. Ein weiterer Affe kam, nein, noch einer, und noch einer! Hatte der eine vielleicht sogar etwas um den Bauch? Einen Baby-Affen? Tatsächlich!

Die Affengruppe näherte sich nur zögernd dem Wärter. Ein Respekt- oder Vorsichtsabstand blieb bestehen. Vielleicht lag es aber auch daran, dass dieses kleine Junge dabei war, das unbekümmert seine Kletterübungen zwischen den Lianen aufnahm. Die Mutter ließ es dabei keinen Moment zu weit weg. Ein wunderschönes Bild mit drei Orang-Utans!

Semenggoh Wildlife Centre

Nun ließ ich mal die Kamera sinken und genoß den Augenblick ohne Linse. Sie gingen liebevoll miteinander um, und ihre Augen, die voll Leben stecken und doch sanft wirken, blickten ein paar Mal zu uns herüber - als würden sie zu uns sagen wollen: Na, ihr da drüben, da kommt ihr wohl aus dem Staunen nicht heraus!

Und sie hätten Recht damit. Wir kamen aus dem Staunen nicht heraus.

Keine Ahnung wie lange sie vor uns spielten, turnten, posierten und sich reckten - ich hatte das Zeitgefühl verloren - aber langsam kletterten sie wieder in ihre eigene Welt der Baumkronen zurück, wo sie unseren Augen entglitten.

Langsam schlenderten wir den Dschungelpfad zurück zu den Häusern des Semenggoh Wildlife Centres.

Dort erkundeten wir noch Käfige mit seichten Wasserbecken in kleinen Gebäuden. Darin befanden sich Schildkröten und ein Krokodil. Arme Geschöpfe, die hier, in viel zu kleinen Bereichen, beengt und absolut nicht artengerecht, lebten. Wir fragten nach dem Warum, aber bekamen dazu keine Antwort. Das sei eben so. Schade! Dieses, zumindest wie es uns erschien, wichtige Wildlife Centre sollte andere Unterbringungsmöglichkeiten für diese Tiere haben. Fehlt es, wie so oft, an Geld?

Zurück ging es mit dem Bus in Richtung Kuching. Wir hatten unser erstes Dschungelerlebnis hinter uns - und welch beeindruckendes.

Semenggoh Wildlife Centre

Wir stoppten noch am Stadtrand bei einem großen chinesischen Tempel, den wir ausreichend besichtigen konnten. Faszinierende Formen und Farben, die uns so fremd sind, und klar die chinesische Kultur zeigen. Innen, im Altarbereich zeigten sich die Darstellungen hauptsächlich in roten Tönen. Die großen Wandmalereien, in sanften Farben gehalten, stellten geschichtliche Ereignisse dar.

Natürlich mussten wir uns auch mit unseren chinesischen Tierkreiszeichen ablichten, die wir dort neben dem Tempel in Form von großen Steinfiguren fanden.

Nun ging es endgültig ins Zentrum Kuchings zu unserem Hotel an der Waterfront zurück. Nach dem Mittagessen sollten wir wieder abgeholt werden - zur Stadtrundfahrt und verschiedenen Besichtigungen.

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